Regionaler Innovationserfolg ist kein Zufallsprodukt!

Geht es einer Universität gut, dann kann es auch ihrer Region gut gehen. Ihre Leistungen in Forschung und Lehre können durch Innovationen Quelle des Wohlstandes ihrer Region sein. Ein eindrucksvolles Beispiel ist das kalifornische Silicon Valley. Durch Ausgründungen aus den Eliteuniversitäten Stanford und Berkley sind Weltunternehmen wie Oracle, Cisco, Apple und Google hervorgegangen, die mit ihren Zulieferern den Wohlstand der Region begründen.

In Deutschland haben sich insbesondere um die Universitäten München, Aachen, Karlsruhe und Berlin Gründerszenen entwickelt, die bereits einen wertvollen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg ihrer Region leisten. Auch die saarländische Universität macht ihren positiven Beitrag zur regionalen Strukturpolitik geltend.

Bei den Erfolgsbeispielen kommt immer der Zusammenklang von Strategie (bei staatlichen Konzepten) oder Unternehmertum/Entrepreneurship (bei privaten Gründungen) mit hochwertiger Forschung- und Bildung bei gleichzeitigem Regionalbezug zum Ausdruck.

Daraus lässt sich die Erfolgsformel bilden:
Regionaler Innovationserfolg = Exzellenz in Forschung und Lehre x Strategie/Entrepreneurship x Loyalität.

Damit diese Erfolgsformel wirksam wird, muss neben der Universität auch die Region ihren Beitrag leisten. Ein wesentliches Element dabei ist die Exzellenzunterstützung.
Die Forderung und Förderung der Exzellenz einer Universität ist auch Aufgabe der Regierung der Region. Sie muss die Überzeugung haben, dass ein hoher Leistungsanspruch für die Region den größten Nutzen stiftet und die Ziele „Landeskinderuniversität“ oder „Versorgungsauftrag“ lediglich Nebenziele sein können. In den Budgetverhandlungen zwischen Region und Universität muss dieses Ziel klar definiert sein und mit Vorgaben für einzelne Fakultäten konkretisiert werden. Der Bedeutung und der Finanzkraft der Region entsprechend muss der Finanzbedarf der Universität gesichert werden. Bei dem beschränkten Etatvolumen sind die Mittel so zu allokieren, dass die Stärken der Universität unterstützt und die Schwächen abgebaut werden. Dazu muss eine Universitätsstrategie entwickelt werden. Dieses ist primär die Aufgabe der Universität, muss aber mit den politischen Organen der Region abgestimmt werden. Ist die Universität nicht in der Lage, eine überzeugende Strategie vorzulegen, kann die Region selbst Gutachten einholen und, darauf basierend, eine Strategie entwickeln oder einfordern.

Eine Strategieentwicklung sollte aber primär einem Top-down- Ansatz folgen. Das gelingt nicht immer überzeugend. Im Saarland etwa sind nach der Vorlage eines Gutachtens des Wissenschaftsrates, der starke Eingriffe vorschlug, von der Regierung 16 Arbeitskreise der Hochschulen eingesetzt worden, um konkrete Maßnahmen zu erarbeiten. Es ist vorauszusehen, dass dadurch die im Gutachten vorgeschlagenen starken Eingriffe verwässert werden und die Betroffenen weniger an Exzellenz als an der Erhaltung ihrer eigenen Interessen arbeiten. Der Strategieprozess zieht sich über einen langen Zeitraum hin, die Beteiligten verlieren das Interesse oder zerstreiten sich. Die Verantwortung diffundiert. Es bewahrheitet sich das Wort „Time kills deals“. Schmerzhafte Aktionen werden so kaum noch vorgeschlagen werden. Vielmehr besteht die große Gefahr, dass dem Gießkannenprinzip gefolgt wird und keine konsequente Exzellenzstrategie entsteht. 

Damit die Universität selbst unternehmerisch agieren kann, braucht sie ein hohes Maß an Autonomie. Sie muss selbst entscheiden können, wie sie die abgestimmten Ziele der Strategie erreicht. Hier sind in Deutschland durch neue Universitätsgesetze Freiräume für die Universitätspräsidien geschaffen worden. Diese Freiräume sinnvoll zu nutzen, setzt aber Kraft und Können zur konzeptionellen Gestaltung voraus. Dieses muss erlernt werden. Einige Landesregierungen benutzen Anfangsprobleme mit der Autonomie dazu, durch Änderungen der Gesetze wieder mehr Einfluss auf die Universitäten zu nehmen. Dieses ist meines Erachtens der falsche Weg, da in den Ministerien und den Parlamenten die Fachkompetenz nicht hoch genug ist und es nicht nur um administrative Fragen geht. Der richtige Weg wäre, den Prozess der Gestaltung des Präsidiums zu unterstützen, damit dieses unternehmerisch und engagiert arbeitet. Das Präsidium und dabei insbesondere der Präsident sind aus meiner Sicht zu 70 Prozent für die Exzellenz der Universität verantwortlich. Ist der Region die Gestaltung des Präsidiums sowie des Universitätsrates relativ gleichgültig, wird sie keine Exzellenz erreichen.

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