16 Tipps für Start-ups in der High-Tech-Industrie
Folge 3

Es gibt viele Gründe, warum Start-ups ihren Erfolg nicht über die erste Gründungseuphorie hinaus sichern können. So scheitern gute Gründungsideen nicht selten an den Persönlichkeiten im Gründerteam. Ich unterstütze Neugründungen, um den Innovationsstandort Deutschland zu stärken, aber es ist wichtig, die unvermeidlichen Risiken zu kennen und sich darauf einzustellen. Zu diesen Risiken gehört, das richtige Managerteam zu finden, das die notwendigen Vorrausetzungen für den langfristigen Erfolg in sich vereint. Lesen Sie dazu mehr in meinem 3. Tipp.

 

 

3.Tipp: Nobody is perfect but a team can be perfect

 

Häufig kommen junge Leute zu mir und bitten mich um Ratschläge für ihre geplante Unternehmensgründung. Begeistert erzählen sie mir von ihren Ideen, mit denen sie die Welt verändern wollen.

Ich höre dem Team zwar zu, aber beobachte mehr das Verhalten der einzelnen Mitglie­der. Gibt es eine dominante Person, ist einer eher ängstlich-misstrauisch, schweigt einer und hört nur zu, usw.

Aus meinen langjährigen Erfahrungen im Umgang mit Managern habe ich mir ein einfaches Modell von Typen zurechtgelegt, nach denen ich die Eigenschaften der Teammitglieder einordne. Ausführlich habe ich die Typen in dem Buch „Spiele der Manager“ (Scheer, A.-W., Spiele der Manager, 3. Auflage, IMC AG, 2013, 172 S.) beschrieben, deshalb hier nur eine kurze Zusammenfassung.

Der „Alexander-Manager“ ist der Visionär, der durch sein Charisma und seine Begeiste­rungsfähigkeit die Strategie des Unternehmens lenken kann. Alexander der Große hat es vor rund 2300 Jahren verstanden, fast 100.000 Soldaten und Begleiter 12 Jahre lang durch schlimme Schlachten zu führen, um den Traum, das Ende der Welt zu entdecken, zu erfüllen.

Ein „Albert-Einstein-Manager“ ist der analytische Denker, der kritisch jedes Problem auf seine Machbarkeit hinterfragt.

Ein „James-Bond-Manager“ ist handlungsstark, mobil und krisenfest.

Ein „Willi-Brandt-Manager“ ist sozial kompetent und strahlt Vertrauen nach innen und außen aus.

Ein „Daniel-Düsentrieb-Manager“ strömt vor neuen Produktideen.

Die Typologie ist selbstverständlich geschlechtsneutral; der James-Bond-Typ kann ohne weiteres also auch von einer toughen Gründerin repräsentiert werden.

Natürlich lassen sich die einzelnen Gründeraspiranten nicht 1:1 einem Typ zuordnen. Aber insgesamt sollte ein Team ein breites Spektrum unterschiedlicher Eigenschaf­ten besitzen, um den vielfältigen Entwicklungen eines Unternehmens gewachsen zu sein.

Ungünstig ist es dagegen, wenn die Eigenschaften eines Typs zu stark vertreten sind und andere komplett fehlen. Ein Gründer, der sich als Alexander-Manager fühlt und extrem dominant und narzisstisch ist, kann zur Gefahr werden, wenn sich ihm die anderen Teammitglieder völlig unterordnen und ihre Eigenschaften und Meinungen nicht mehr zur Geltung bringen. Ein solcher überdominanter Manager kann die ande­ren Teammitglieder so beherrschen, dass sie sich aufgrund seiner dämonenhaften Beeinflussung ins eigene Unglück stürzen, wenn es zu seinem Vorteil ist. Man springt dann auf Kommando des überdominanten Kollegen quasi gemeinsam von der Brücke. Das eigene Urteilsvermögen wird dann ausgeschaltet. Selbst wenn die­ses extrem klingen sollte, so habe ich doch solche Situationen erlebt.

In einem Fall wollte ein Teammitglied ein neues Lebensmodell einschlagen und das gegründete Unternehmen verlassen. Da er es den anderen Gründern nicht gönnte, das Unternehmen ohne ihn weiter zu führen, beeinflusste er sie so lange, bis sie eben­falls das Unternehmen aufgaben. Der dominante Partner hatte damit nicht nur sein eigenes, sondern auch deren Unternehmensvermögen vernichtet.

Eine extreme Dominanz kann von allen genannten Manager-Typen ausgehen und nicht nur vom Alexander-Typ. Die Dominanz kann sich auch subtiler psychologischer Manipulationsmöglichkeiten bedienen.

Es kommt eben beim Gründerteam auf eine ausgewogene Mischung der Typen an.

Kritisch bin ich deshalb, wenn die Gründer bereits langjährige Freunde sind, das glei­che Fach studieren und sich sehr ähnlich sind. Diversity ist deshalb zur Zeit nicht nur ein Schlagwort, sondern als Richtlinie zur Gestaltung des Teams sehr hilfreich.

Mit der personellen Zusammensetzung des Teams ist eng auch die Verteilung der Gesellschaftsanteile verbunden. Es ist falsch, hier eine vermeintliche Kameradschaftshal­tung einzunehmen und z. B. alle Gründer gleich hoch zu beteili­gen. Gibt es einen ausgesprochenen Alexander-Typ, ohne den die Gründung keinen Sinn machen würde, dann muss er auch die Mehrheit des Unternehmens besitzen. Umgekehrt ist es falsch, einen eher schwachen Gründer hoch zu beteiligen, da dies später fähige Mitarbeiter abschreckt, bei dem Unternehmen anzufangen. Die Unterneh­mensstory und die diese repräsentierenden Eigentümer sind immer noch das beste Akquisitionsmittel der Mitarbeiterwerbung. Auch sehen die anderen Grün­der nach dem Gründungsrausch die Leistungsunterschiede und vergleichen sie mit dem Einfluss auf die Unternehmensgestaltung. Disproportionen sind dann eine Quelle ständigen Ärgers.

Die Diskussion über die Anteile ist sehr stressig und kann den ersten Streit herausfor­dern. Aber besser am Anfang Stress, der zu einer stabilen Lösung führt als eine vermeintlich kameradschaftliche Lösung, die später das Unternehmen in Gefahr bringt. Jedenfalls habe ich genug Unternehmen wegen fehlender Klarheit in der Anteils­struktur scheitern gesehen.

 

Lesen Sie hier mehr zum 4. Tipp: Der Businessplan ist nur eine Fingerübung

Lesen Sie hier mehr zum 5. Tipp: Wie findet man den ersten Kunden?

Lesen Sie hier mehr zum 6. Tipp: Vorsicht bei Geldgebern

Lesen Sie hier mehr zum 7. Tipp: Kosten minimieren

Lesen Sie hier mehr zum 8. Tipp: Partnerschaft: Der Partner schafft

Lesen Sie hier mehr zum 9. Tipp: Den Hunger der Medien nach neuen Stories nutzen

Lesen Sie hier mehr zum 10. Tipp: Was man noch nicht weiß, muss man lernen

Lesen Sie hier mehr zum 11. Tipp: Fast Fail

Lesen Sie hier mehr zum 12. Tipp: Wer nicht wächst, stirbt.

Lesen Sie hier mehr zum 13. Tipp: Streitigkeiten schlichten

 

Folge 1 und 2 verpasst? Ausführungen zur Zauberformel für Unternehmensgründer und dazu, wie man eine Gründungsidee findet, lesen Sie hier:

Folge 1: Die Zauberformel

Folge 2: Wie findet man eine Gründungsidee?

 

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