Herzlichen Glückwunsch SAP!

Die SAP feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. So bemerkenswert das für ein deutsches IT-Unternehmen ist, so offensichtlich sind für mich auch die Gründe für den Unternehmenserfolg:

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag, als ob die SAP über 4 Jahrzehnte immer im gleichen Anwendungsfeld geblieben sei, nämlich dem der betriebswirtschaftlichen Software zur Steuerung von Unternehmen, so hat sie tatsächlich in dieser Zeit verschiedene Phasen durchlebt. Dies sieht man bereits bei der Nummerierung ihrer Softwarenamen von R/1 über R/2 und R/3 bis hin zur Benennung ihrer weiteren Zukunftssysteme. Den größten Innovationssprung machte die SAP aber sicher beim Übergang vom R/2 System zum R/3 System. Das R/2 System war Host-Rechner basiert und lief auf IBM und Siemens Rechnern, die jeweils Assembler-kompatibel waren. Mit dem R/3 System stieß die SAP aber Türen zu sogenannten offenen Plattformen auf, also Unix als Betriebssystem, SQL als Datenbanksprache und der Client-Server-Architektur. Damit war sie auf nahezu allen Hardwarefamilien lauffähig und erweiterte damit ihr Marktpotenzial. Dieses war die wesentliche Voraussetzung für das rasante globale Wachstum.

Die SAP hat sich aber auch betriebswirtschaftlich neuen Architekturen zugewandt.  Aus dem anfänglichen Anbieter einer Finanzbuchführungssoftware hat sich ein Anbieter von Software zur gesamthaften Unternehmenssteuerung entwickelt. Da die Finanzbuchführung keine eigenen Daten erzeugt, sondern lediglich Daten aus den operativen Anwendungen dokumentiert, war es der logische Schritt, die Datenlieferungssysteme selbst zu entwickeln und mit der eigenen Finanzbuchhaltung zu verbinden. Dies bedeutete den Einstig in die Entwicklung von Beschaffungssystemen, Vertriebssystemen und Produktionsunterstützungssystemen. Aber auch die Finanzbuchführung ist nicht das Ende der betriebswirtschaftlichen Hierarchie. Auf ihr setzen Kostenrechnungs- und Controllingsysteme sowie Datawarehouse-Systeme auf, so dass dieses eine weitere Entwicklungsstufe war. Beides kam zusammen: neue technische Entwicklungen und neue betriebswirtschaftliche Ansätze haben die Architektur weiterentwickelt.

Aus der Innovationsforschung weiß man, dass große erfolgreiche Unternehmen sehr gut inkrementelle Innovationen beherrschen, aber Probleme bei disrupten Innovationssprüngen bekommen. Sie sehen sich dann in der Gefahr, ihr gegenwärtiges Businessmodell zu kannibalisieren. Auch dieser Herausforderung hat sich die SAP bis heute recht erfolgreich gestellt. So hat sie etwa beim Übergang vom R/2 zum R/3 System eine solche Hürde erfolgreich überwunden. Zunächst war das R/3 System für den Mittelstand geplant, so dass es mit dem für Großunternehmen ausgerichteten R/2 System nicht kollidieren sollte. Es hat sich dann aber gezeigt, dass gerade Großunternehmen an der neuen Client-Server-Architektur des R/3 Systems besonders interessiert waren, so dass auch dieser Markt geöffnet werden musste. Natürlich gab es hitzige interne Diskussionen über die Frage der Kannibalisierung des R/2 Systems, aber das Management des Unternehmens (insbesondere auch die Gründer) war stark genug, den richtigen Weg einer disruptiven Innovationsentwicklung zu gehen.

Auch heute zeichnen sich mehrere disruptive Technologiesprünge ab, die auch neue inhaltliche Anwendungskonzepte nach sich ziehen. Meines Erachtens ist die SAP wachsam genug, um diese Probleme zu erkennen und zu lösen. Als „fast second mover“ beobachtet die SAP den Markt sehr genau und nimmt neue Technologien durch Zukäufe dynamisch auf, wenn sich deren Erfolg abzeichnet. Die SAP hat so neben anderen Akquisitionen wichtige Zukäufe auf dem Gebiet von Business Intelligence, Internettechnologie und mobilen Anwendungen getätigt. Gerade im Bereich mobiler Anwendungen sind große Entwicklungen zu erwarten. Analysten gehen davon aus, dass in wenigen Jahren 70-80% der Geschäftsprozesse auch eine mobile Unterstützung brauchen. Vor diesem Hintergrund war der Kauf von Sybase ein vorausschauender Schritt!

Gleichzeitig hat die SAP eigene innovative Entwicklungen gestartet. Für mich ist die Architektur des Systems „Business ByDesign“ die zukunftsträchtigste Entwicklung der SAP in den letzten Jahren. Ich habe manchmal das Gefühl, dass dieses selbst intern noch gar nicht überall erkannt wird. Es ist diejenige Architektur, die am geeignetsten ist, neuartigen Herausforderungen des Cloud Computings  nachzukommen und auch neue Businessmodelle wie Software as a Service zu ermöglichen. Aber nicht nur Business ByDesign ist in den letzten Jahren entwickelt worden, sondern auch mit dem System HANA ist eine eigene Datenbankentwicklung, die auf dem Konzept „In-Memory“ beruht, gestartet. Diese wird zwar zunächst für Auswertungsanwendungen großer Datenbestände eingesetzt, aber ich bin sicher, dass auch demnächst die operativen Anwendungen auf dieser neuen Technologie basieren werden.

SAP hat eine erfolgreiche Vergangenheit und kann aus derzeitiger Sicht in eine ebenso erfolgreiche Zukunft blicken. Ich gratuliere der SAP zu ihrem 40-jährigen Bestehen sehr herzlich und bin stolz darauf, dass ich sie in enger Entwicklungspartnerschaft und auch als Mitglied des Aufsichtsrates über mehrere Jahrzehnte habe begleiten dürfen!

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