Industrie 4.0: Alter Wein in neuen Schläuchen?

Damit in der Informationstechnik eine neue Idee zu einer echten Innovation wird, also in einen Markterfolg umgesetzt wird, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Vor allem ist es wichtig, dass die Idee überhaupt mit der vorhandenen Technologie umgesetzt werden kann. Eine Idee kann noch so gut sein, wenn aber die dafür benötigten technischen Voraussetzungen nicht erfüllt werden, bleibt es eine Idee in der Schublade. Vor über 20 Jahren wurde bereits mit dem Konzept CIM (Computer Integrated Manufacturing) die umfassende Steuerung von Industriebetrieben mit Hilfe des Computers beschrieben. Logistik, Produktentwicklung und Automatisierung sollten in einem Gesamtkonzept unterstützt werden. Alles beruhte auf integrierten Prozessen. Obwohl die Ideen richtig waren, geriet das Schlagwort CIM sehr schnell in Verruf. Die benötigten Techniken waren eben nicht verfügbar. Es gab noch keine integrierten Datenbanksysteme, keine Standards für die integrierte Fabrikvernetzung, keine Integration von geometrischen Produktdaten mit der Stücklistenverwaltung für die Materialwirtschaft usw.

In der Zwischenzeit schien dieser Ansatz tot. Aber Totgesagte leben länger; manche sind auch nur scheintot. Nun kommt ein neuer Ansatz mit dem Schlagwort Industrie 4.0. Neue Techniken wie RFID und jetzt insbesondere das Internet der Dinge werden zur umfassenden Steuerung von Fabriken und Logistik eingesetzt. Dem Rohling, aus dem ein Teil gefertigt werden soll, wird z.B. sein Arbeitsplan auf einem Chip mitgegeben und er findet dann, quasi selbstständig, den Weg durch die Produktion. Er funkt Kapazitäten an, ob sie frei sind, die Fertigung wird dezentral, sozusagen marktwirtschaftlich, zwischen Kapazitäten und den Erzeugnissen gesteuert.

Das Gute an Industrie 4.0. ist, dass dieser Ansatz heute eher aus der grundsätzlich verfügbaren Technologie getrieben wird und nicht auf einer rein organisatorischen Idee, die ohne Rücksicht auf die verfügbaren Technologien entwickelt wurde, fußt. Insofern ist diesem Ansatz auch eine wesentlich höhere Realisierungschance gegeben. In Deutschland haben wir es als einzige europäische – und unter Einschluss von Amerika als einzige westliche – Volkswirtschaft geschafft, die traditionellen Industrien international im Wettbewerb führend zu halten. Jeder Euro für die Forschung auf diesem Gebiet ist also gut für die deutsche Wirtschaft. Andere Länder haben ihre traditionellen Industrien weitgehend – insbesondere an Asien – abgegeben. Also besteht hier bei uns eine große Chance, die industrielle Weiterentwicklung zu bestimmen. Insofern kann man mit gutem Gewissen von einer vierten industriellen Revolution sprechen.

Weitere Blogbeiträge zum Thema Industrie 4.0:
Industrie 4.0 = CIM reloaded? Hoffentlich nicht!
Die Industrierevolution 4.0 verändert Organisationen und Prozesse!

2 Gedanken zu „Industrie 4.0: Alter Wein in neuen Schläuchen?

  1. Lehrreicher Post. Cool, wenn man das Thema auch mal aus einem anderen Blickwinkel ansehen kann.

nach oben scrollen - Scheer Group

Copyright ©2017 Scheer Holding GmbH