Das Krakauer Trompetensignal als Jazz-Motiv

In diesen Tagen erscheint die neue CD „leszek zadlo, european art ensemble“, die ich  im Sommer 2011 im Saal des Rundfunks in Krakau mit dem Star-Saxophonisten Lezek Zadlo und professionellen polnischen Jazz-Musiker aufnehmen konnte. Im ersten Titel, „Polonaise Krakau“, wird am Anfang und Ende des Stückes auf dem Saxofon ein Trompetensignal gespielt, das zum Schluss abrupt abbricht. Hier wird eine polnische Geschichte aus Vergangenheit und Gegenwart erzählt: Im Nordturm der Marienkirche in Krakau läutet seit dem 14. Jahrhundert ein Feuerwehrmann zu jeder vollen Stunde die Stundenglocke von Hand und spielt das Krakauer Trompetensignal „Hejnał“ in alle vier Himmelsrichtungen. Es bricht mitten im Spiel ab und erinnert damit an den Mongolenangriff auf die Stadt im Jahr 1241. Laut Legende wurde der damalige Trompeter, während er das  Alarmsignal gab, von einem feindlichen Pfeil getötet. Seit 1927 wird das Mittagssignal live vom Sender Radio Kraków übertragen, es ist die älteste ständige Musiksendung der Welt.
Unser Saxofonist Leszek Zadlo hat hier nicht nur die Geschichte Krakaus musikalisch interpretiert, er erzählt uns zugleich von seiner Sehnsucht nach der Heimat. Als Anhänger der Solidarnosc-Bewegung wurde er damals seines Landes verwiesen und musste Jahre im Exil leben. Dort entstand dieses Stück, das für ihn die Verbindung zu seiner Heimat Polen darstellte, wo er heute neben seinen Professuren an den Musikhochschulen München und Würzburg auch an der Musikhochschule Krakau unterrichtet.

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