Wirtschafts- und Industriepolitik ist auch Forschungspolitik… und umgekehrt!

Wenn aus 10 Ideen in der Forschung es eine bis zur Entwicklung eines Prototypen schafft, dann ist das schon sehr positiv gerechnet. Wenn von 10 Prototypen einer zu einem verwertbaren Produkt wird, also eine Entwicklungsstrategie und ein Marketingkonzept erhält, dann ist dieses ebenfalls positiv gerechnet. Wenn aus 10 Produkteinführungen eine zum durchgreifenden Markterfolg wird, dann ist auch das eine optimistische Einschätzung. Diese Relationen multipliziert, ergeben, dass man mindestens 1000 Ideen produzieren muss, um daraus ein erfolgreiches Produkt zu generieren.

Nun haben wir in Deutschland viele Organisationen, deren Aufgabe es ist, Ideen zu erzeugen. Es sind unsere Universitäten an denen Millionen Studenten und Wissenschaftler in Diplomarbeiten, Dissertationen, Habilitationen und Forschungsprojekten ständig auf der Suche nach neuen Ideen sind. Alleine die Deutsche Forschungsgemeinschaft rühmt sich, ständig 30 000 Forschungsprojekte zu unterstützen. Setzt man unsere Relationen an, dann müssten aus dieser Organisation heraus 30 internationale Produkterfolge zu erzielen sein. Leider ist mir kein einziger bekannt. Das Gleiche gilt für die großen Forschungsprogramme der dafür zuständigen Ministerien auf Länder-, Bundes- und europäischer Ebene.

Wo liegt dann der Hund begraben, wenn die Ideenproduktion funktioniert, aber die Ergebnisse nicht stimmen? Die Antwort ist ganz einfach. Es fehlt der schlüssige Prozess, der die Wertschöpfungskette von der Idee über den Prototypen und das Produkt bis zum Markterfolg erfasst. Die Problematik beginnt bereits bei der Zuständigkeit der Ministerien. Forschungsministerien sind für Grundlagen- und Anwendungsforschung zuständig, also für die Ideenproduktion; Wirtschaftsministerien sehen sich gegebenenfalls in der Verantwortung für Prototypen und Produkte. Aber selbst dazu müsste es ein klares Bekenntnis zur Industriepolitik geben, mit entsprechenden Programmen zu Unternehmensgründungen und Wachstumsförderung. Noch haben wir aber Brüche innerhalb der Innovationskette.

In den letzten Jahren ist es in der Innovationspolitik aufgrund der Diskrepanz zwischen Erwartungen an Forschungsprogramme und deren nachweisbaren Ergebnissen zu einer Verunsicherung gekommen. Aber noch fehlt ein durchgreifendes Gesamtkonzept. Meines Erachtens muss der gesamte Innovationsprozess in einer Hand sein, denn Wirtschafts- und Industriepolitik ist auch Forschungspolitik, oder umgekehrt, Forschungspolitik ist auch Wirtschafts- und Industriepolitik. Aber selbst ein gebündeltes Forschungs- und Wirtschaftsministerium ist nicht automatisch erfolgreich: es gehört auch die entsprechende Kompetenz an die Spitze!

2 Gedanken zu „Wirtschafts- und Industriepolitik ist auch Forschungspolitik… und umgekehrt!

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